Digitale Wirtschaft

Berlins Wirtschaft ist in sehr guter Verfassung. Nach einem starken Wachstum von drei Prozent im vergangenen Jahr kamen allein im ersten Quartal 2016 weitere 2,7 Prozent hinzu. Es wird erwartet, dass sich der positive Wachstumstrend im weiteren Jahresverlauf fortsetzt. Die Volkswirte der Berliner Investitionsbank prognostizieren fuer dieses Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent. Damit liegt Berlin deutlich ueber dem Bundesdurchschnitt, den die Experten auf rund 1,6 Prozent beziffern.

Auch die Berliner verdienen mehr. Die Bruttoloehne sind um gut vier Prozent auf durchschnittlich 3.848 Euro gestiegen. Ein weiterer Indikator für die gute Konjunktur ist die stetig sinkende Arbeitslosenquote. Zum ersten Mal seit dem Fall der Mauer ist die Arbeitslosenquote unter zehn Prozent gesunken. Noch vor elf Jahren war die Quote fast doppelt so hoch. Kein Wunder, dass diese Entwicklung Unternehmen, Politik und Berlinerinnen und Berliner Zuversicht für die Zukunft gibt.

Die prosperierende Berliner IT-Branche ist ein wichtiger Motor für die wachsende Wirtschaftskraft der Stadt. Allein in den letzten drei Jahren wurden rund 1.000 neue Unternehmen gegründet; alle 20 Stunden wird in Berlin eine neue Online-Firma gegründet, die zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten schafft. Ein besonders starker Motor ist der E-Commerce. Seit 2008 hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der digitalen Wirtschaft verzehnfacht. Etwa 69.000 Menschen in Berlin arbeiten derzeit für so genannte „Start-ups“.

INTERNATIONALE SCHWERGEWICHTE WETTEN AUF DEN „START-UP“-HOTSPOT an DER SPREE

Internationale Unternehmen haben die Vitalität dieses jungen, boomenden Sektors längst erkannt. Jedes dritte DAX-Unternehmen hat eine Entwicklungsabteilung in Berlin. Nach Google, Microsoft und Cisco hat sich sogar IBM mit einem „Start-up“-Hub engagiert – und Berlin als zweiten (nach New York) von insgesamt 300 weltweit geplanten Betrieben ausgewählt. Ziel des virtuellen Treffpunkts von IBM ist es, eine zentrale Anlaufstelle für die digitale Wirtschaft Berlins zu schaffen.

In Zusammenarbeit mit der Berliner Start-Up Unit hat der US-amerikanische IT-Riese im vergangenen Jahr das Webportal „Tech Berlin“ eingerichtet. Ähnlich dem US-Modell „Digital.nyc“ aus New York können sich junge Unternehmer und Entwickler treffen und austauschen, aber auch mit Investoren vernetzen. Dies ist wichtig, weil Deutschland bei der Bereitstellung von Finanzmitteln für Start-ups hinter Silicon Valley zurückliegt.

Venture Capital „MADE IN GERMANY“

Dieses Konzept hat sich merklich verändert. Berlin hat 2015 mehr Mittel für Existenzgründungen erhalten als irgendwo sonst in Europa. Mit 2,1 Milliarden Euro überholte das frische Risikokapital, das in die neuen Berliner Unternehmen geflossen ist, sogar die 1,7 Milliarden Euro aus London und etablierte die Stadt als „European VC Champion“. Auch die regionale Wirtschaftsförderung unterstützt die junge Gründerszene – insbesondere bei der lokalen und internationalen Zusammenarbeit. Bisher hat dies zu einem Vertrag mit drei großen chinesischen Unternehmen geführt, der einen sechswöchigen Unternehmeraustausch zwischen beiden Ländern ermöglicht. Ähnliche Vereinbarungen wurden auch mit New York, als dem führenden Markt der Technologiebranche, und mit Tel Aviv getroffen. Israels zweitgrößte Stadt und einziges Börsenzentrum gilt auch als „Start-up“-Drehscheibe und beherbergt mehr als 1.500 junge Hightech-Unternehmen. Im vergangenen Jahr wählte Tel Aviv Berlin als erste Partnerstadt aus, da Berlin sowohl über ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte mit IT-Hintergrund als auch über reichlich Risikokapital verfügt.

Trotz dieser wachsenden internationalen Verflechtungen und der immer weiter wachsenden globalen Netzwerke ist Berlins Wirtschaft nach wie vor stark auf seine mittelständischen Unternehmen angewiesen. Rund 90 Prozent der Berliner Unternehmen sind als Mittelständler gestartet und sind die treibende Kraft hinter dem seit fünf Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung der deutschen Hauptstadt. Die Unternehmer blicken nach wie vor optimistisch in die Zukunft. Nach einer aktuellen Studie (Creditreform/Investitionsbank Berlin) beurteilen rund zwei Drittel das Geschäftsumfeld als „sehr gut“ oder „gut“ und stützen sich dabei auf steigende Umsätze und hohe Beschäftigungszahlen. Dies ist das positivste Ergebnis seit der ersten Durchführung der jährlichen Studie im Jahr 2011.

Berlin bietet demzufolge auch einen optimalen Nährboden für digitale Unternehmen und Marketingagenturen.